Ein guter Boden entscheidet täglich mit, wie sich Ihr Zuhause anfühlt, und hält bei richtiger Pflege viele Jahre. Das ist die Kernbotschaft unseres Gesprächs mit einem Parkettleger-Meister aus dem bayerischen Alpenvorland, der seit jahrzehnten Holzböden verlegt, abschleift und renoviert. Im Interview mit Bernhard Zehetmair aus Miesbach geht es um die typischen Fragen, die Bauherren und Modernisierer umtreiben. Welcher Boden passt zu welchem Haus? Wann lohnt sich Renovieren statt Austauschen? Und worauf sollten Sie achten, bevor Sie sich für eine Oberfläche entscheiden?

Vom Untergrund bis zur Oberfläche, worauf es beim Boden im Neubau ankommt
Hausbau Blog & Bautagebuch: Man hört immer wieder, der Boden sei „die letzte große Entscheidung“ im Hausbau. Stimmt das aus Ihrer Sicht?
Bernhard Zehetmair: In der Reihenfolge stimmt das, aber von der Wirkung her ist der Boden eine der ersten Entscheidungen. Sie sehen ihn jeden Tag, Sie laufen barfuß darüber, Sie stellen Möbel darauf. Trotzdem wird er oft erst spät geplant, wenn das Budget schon angespannt ist. Wer früh überlegt, welcher Belag in welches Zimmer kommt, spart sich später Kompromisse. Das gilt für Privatkunden im Eigenheim genauso wie für Architekten und Bauträger, die ihre Projekte sauber durchplanen wollen.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Welche Bodenarten werden bei Ihnen aktuell am häufigsten angefragt?
Bernhard Zehetmair: Parkett und breite Dielen sind weiterhin sehr gefragt, vor allem in Eiche. Dazu kommen Vinyl-Designbeläge in Bädern und Hauswirtschaftsräumen, weil sie feuchteunempfindlich sind. Auch Treppen und Geländer in Holz sind in unserer Region ein wichtiges Thema, gerade bei Umbauten und Sanierungen. Den einen richtigen Boden gibt es nicht, es gibt nur den passenden für den jeweiligen Raum.
Renovieren statt herausreißen
Hausbau Blog & Bautagebuch: Viele Eigentümer denken bei einem alten, zerkratzten Parkett zuerst an Herausreißen. Wann ist Renovieren die bessere Wahl?
Bernhard Zehetmair: Fast immer dann, wenn die Nutzschicht noch tragfähig ist. Massivparkett kann 4–6× abgeschliffen werden; Mehrschichtparkett ab 4 mm Nutzschicht mindestens 1–2×. Wir prüfen vor Ort, wie viel Material noch da ist und ob Fugen, Risse oder Feuchteschäden vorliegen. Oft reicht ein Abschliff plus neue Oberfläche, um einen alten Boden wieder ansprechend aussehen zu lassen, und das in der Regel deutlich günstiger als ein kompletter Austausch.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Welche Oberflächen empfehlen Sie nach dem Abschliff?
Bernhard Zehetmair: Das hängt vom Nutzungsverhalten ab. Geölte Böden wirken natürlich und lassen sich punktuell ausbessern, brauchen aber Pflege. Lackierte Oberflächen sind robuster gegen Wasser und Schmutz, lassen sich aber nicht so einfach partiell reparieren. Wer es besonders dezent möchte, kann den Boden seifen oder weiß colorieren lassen. Für jede Variante gibt es eine passende Anwendung, und die Beratung vor Ort ist hier entscheidend. In unserem Betrieb setzen wir seit Jahren auch auf individuelle Sonderoberflächen, weil kein Raum dem anderen gleicht.
Pflege, Lebensdauer und ehrliche Erwartungen
Hausbau Blog & Bautagebuch: Wie lange hält ein gut verlegter Holzboden realistisch?
Bernhard Zehetmair: Ein Massivparkett kann bei normaler Wohnnutzung sehr lange halten, wenn er zwischendurch renoviert wird. Wir haben Böden im Bestand, die schon mehrere Jahrzehnte in Nutzung sind. Entscheidend sind drei Dinge. Ein trockener, ebener Untergrund, ein konstantes Raumklima mit moderater Luftfeuchte und die passende Pflege. Wer das beachtet, hat lange Freude am Boden.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Welche Fehler sehen Sie bei Bauherren am häufigsten?
Bernhard Zehetmair: Zu früh verlegen, bevor der Estrich richtig trocken ist. Falsche Pflegemittel, oft aus dem Drogeriemarkt, die die Oberfläche angreifen können. Und Fußbodenheizungen, die zu schnell hochgefahren werden. Das sind Punkte, die man mit einer kurzen Einweisung beim Übergabetermin vermeiden kann.
Erfahrung, Team und Handwerk
Hausbau Blog & Bautagebuch: Was unterscheidet Ihren Betrieb von einem reinen Bodenhändler?
Bernhard Zehetmair: Wir sind ein Parkettleger-Meisterbetrieb mit einem großen festangestellten Fachteam und bilden auch selbst aus. Aus unseren Reihen sind über die Jahre mehrere Deutsche und Europameister im Parkettleger-Handwerk hervorgegangen. Das ist kein Selbstzweck, sondern zeigt, dass bei uns vom Auszubildenden bis zum Vorarbeiter sauber und mit Anspruch gearbeitet wird. Privatkunden, Architekten und Bauträger in Oberbayern, vor allem im Raum Miesbach, Tegernsee, Holzkirchen und Rosenheim schätzen genau das. Sie haben einen Ansprechpartner, der den Boden plant, verlegt und später auch wieder pflegt oder renoviert.
Ein Tipp zum Schluss
Hausbau Blog & Bautagebuch: Was raten Sie Bauherren, die gerade vor der Bodenwahl stehen?
Bernhard Zehetmair: Kommen Sie in unsere 400qm Ausstellung und lassen Sie sich beraten. Muster können Sie auch nach Hause mitbekommen, schauen Sie die Hölzer bei Tageslicht und bei Kunstlicht an, gehen Sie barfuß darüber. Und holen Sie sich Beratung von jemandem, der den Boden selbst verlegt, nicht nur verkauft. Ein guter Boden hält länger als jede Mode. Die zehn Minuten Mehrberatung sparen Ihnen oft viel Ärger.
Das Gespräch zeigt, dass die Bodenwahl weniger eine Geschmacks- als eine Planungsfrage ist. Wer früh mit einem erfahrenen Fachbetrieb spricht, Untergrund und Nutzung ehrlich einschätzt und die Pflege mitdenkt, bekommt einen Boden, der den Alltag in Neubau, Umbau oder Bestandsobjekt lange mitträgt.



