Steigende Energiekosten, neue Vorgaben aus dem Gebäudeenergiegesetz und teils mehrwöchige Lieferzeiten für Materialien wie Fliesen, Heizkörper oder Fenster: Eine Sanierung ist heute komplexer denn je. Wir haben mit einem Projektverantwortlichen der Raum & Boden Handwerksfachbetrieb GmbH gesprochen, der täglich Sanierungsprojekte im Raum München und Dachau betreut. Im Interview erklärt er, wann sich ein Komplettpaket lohnt, welche Stolperfallen typisch sind und worauf Sie als Eigentümer bei Angeboten achten sollten.

„Schnittstellenfehler kosten am Ende am meisten“ – warum sich ein Komplettpaket häufig rechnet
Hausbau Blog & Bautagebuch: Viele Eigentümer überlegen, ob sie ihre Sanierung Schritt für Schritt angehen oder alles in einem Zug machen lassen. Was raten Sie?
Michael Hihn: Eine schrittweise Sanierung wirkt auf den ersten Blick günstiger, weil die Kosten verteilt anfallen. In der Praxis entstehen aber genau an den Übergängen Probleme: Der Estrich ist gegossen, bevor die Elektrik final geplant ist; das neue Bad steht, bevor klar ist, wo die Wärmepumpe Platz findet; der Maler arbeitet auf einem Boden, der später ohnehin getauscht wird. Wer eine Komplettsanierung vom Profi in München beauftragt, bekommt einen einzigen Ansprechpartner, der die Reihenfolge von Abbruch, Rohinstallation, Estrich, Trockenbau, Fliesen, Bodenbelag und Malerarbeiten so taktet, dass nichts doppelt gemacht werden muss.
„Eine ehrliche Bestandsaufnahme spart später viel Geld“
Hausbau Blog & Bautagebuch: Welche Gewerke sollten Eigentümer vor Projektstart genau prüfen lassen?
Michael Hihn: Bevor der erste Hammer fällt, lohnt sich eine nüchterne Begehung. In Münchner Bestandsimmobilien aus den 1960er- bis 1990er-Jahren sind erfahrungsgemäß diese Punkte kritisch:
- Elektrik: alte zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter, zu wenige Stromkreise, fehlende FI-/RCD-Schutzschalter.
- Sanitär: verzinkte Stahlrohre mit Rostablagerungen, undichte Anschlüsse hinter Fliesen.
- Heizung: alte Konstanttemperaturkessel (Gas/Öl, Einbau vor 1995), die unter §72 GEG fallen Brennwert- und Niedertemperaturkessel sind ausgenommen.
- Dämmung: ungedämmte oberste Geschossdecke, einfach verglaste Kellerfenster, Wärmebrücken an Rollladenkästen.
- Böden: Trittschall unter Laminat, lose Dielen, möglicherweise schadstoffbelastete Altkleber unter PVC.
Jeder dieser Punkte verändert die Reihenfolge und das Budget. Eine seriöse Planung benennt sie vor Vertragsschluss, nicht erst beim Aufstemmen der Wand.
„Erst die Hülle, dann die Technik“ energetische Sanierung richtig priorisieren
Hausbau Blog & Bautagebuch: Photovoltaik, Wärmepumpe, Dämmung was lohnt sich heute wirklich, und in welcher Reihenfolge?
Michael Hihn: Diese Themen sind im Raum München und Dachau kein Lifestyle-Thema mehr, sondern eine Frage der Kalkulation. Eine Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhaus erzeugt im Münchner Raum je nach Ausrichtung und Größe einen erheblichen Teil des Haushaltsstrombedarfs; ein Wärmepumpentausch wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 70 % der Investitionskosten gefördert (Grundförderung 30 %, zuzüglich Klima- und Einkommensbonus). Wichtig ist die Reihenfolge: Erst die Hülle optimieren, dann die Heiztechnik dimensionieren. Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe taktet zu oft und verschleißt schneller. Hier zahlt es sich aus, wenn Sanitär-, Heizungs- und Elektroplanung in einer Hand liegen.
„Im Bad sehen wir die meisten teuren Fehler“
Hausbau Blog & Bautagebuch: Die Badsanierung gilt als Klassiker. Wo verlieren Eigentümer am häufigsten Geld?
Michael Hihn: Das Bad ist mit 15.000–25.000 Euro (mittlere Ausstattung, 6–8 m²) erfahrungsgemäß einer der teuersten Quadratmeter im Haus und gleichzeitig der Raum, in dem viele Bauherren beim eigenständigen Beauftragen Geld verlieren. Typische Fehler: Die Abdichtung unter den Fliesen wird vergessen, der Estrich ist nicht für eine bodengleiche Dusche aufgebaut, die Lüftung fehlt komplett. Planen Sie für ein durchschnittliches Bad in München mehrere Wochen Bauzeit ein und kalkulieren Sie realistisch im fünfstelligen Bereich für eine mittlere Ausstattung inklusive Abbruch, Installation, Fliesen und Sanitärobjekten.
„Ein Angebot, ein Zeitplan, ein Gewährleistungspartner“
Hausbau Blog & Bautagebuch: Wie strukturiert ein Komplettsanierer den Ablauf konkret?
Michael Hihn: Wir bündeln als Fachbetrieb typischerweise Abbruch, Sanitär, Heizung, Elektrik, Trockenbau, Boden- und Malerarbeiten unter einer Projektleitung und arbeiten im Raum München und Dachau inklusive Smart-Home-Integration und Photovoltaik. Für Sie als Eigentümer bedeutet das vor allem: ein Angebot, ein Zeitplan, ein Gewährleistungspartner. Bei Streitfragen zwischen Gewerken gibt es niemanden, der die Verantwortung weiterreichen kann. Das ist aus unserer Sicht der größte Vorteil gegenüber einer Lösung mit fünf oder sechs Einzelbetrieben.
„Pauschalpositionen sind ein Warnsignal“ worauf Sie beim Angebot achten sollten
Hausbau Blog & Bautagebuch: Woran erkennen Eigentümer ein belastbares Angebot?
Michael Hihn:Ein belastbares Angebot listet Mengen, Materialien und Stundensätze einzeln auf. Pauschalpositionen wie „Bad komplett: 30.000 Euro“ sind ein Warnsignal. Fragen Sie konkret nach: Welche Fliesenserie ist kalkuliert? Welche Marke bei der Wärmepumpe? Wie viele Steckdosen pro Raum? Wer schriftlich antwortet, plant auch sauber auf der Baustelle. Lassen Sie sich außerdem Referenzobjekte im Umkreis zeigen idealerweise fertige Projekte, die zwei oder drei Jahre alt sind. Dort sehen Sie, ob Silikonfugen, Übergänge und Anstriche halten.



