Eine energetische Sanierung besteht selten nur aus einer einzelnen Maßnahme. Gebäudehülle, Innenausbau, technische Gewerke und die jeweiligen Bauabläufe greifen ineinander und müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Gerade bei Bestandsgebäuden sind deshalb eine sorgfältige Bestandsaufnahme, eine realistische Planung und die Koordination der beteiligten Gewerke entscheidend.

Wir haben mit Claus Fenkl, Geschäftsführer und Malermeister der CF Baumanagement GmbH aus Rüsselsheim, darüber gesprochen, worauf Eigentümer bei der Sanierung und Modernisierung ihrer Immobilie achten sollten.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Was ist der häufigste Denkfehler, wenn Hausbesitzer über eine Modernisierung nachdenken?
Claus Fenkl: Viele Eigentümer denken zunächst an eine einzelne Maßnahme: „Ich brauche eine neue Heizung“ oder „Die Fassade muss gedämmt werden.“ Das ist verständlich, aber aus unserer Sicht sollte man zunächst das gesamte Gebäude betrachten.
Bei einer Sanierung greifen viele Bereiche ineinander. Veränderungen an der Gebäudehülle beeinflussen beispielsweise die bauphysikalischen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sollte eine neue Heiztechnik zur energetischen Qualität des Gebäudes passen. Deshalb betrachten wir bei einer energetischen Sanierung in Rüsselsheim nicht nur einzelne Bauteile, sondern möglichst das Zusammenspiel des gesamten Gebäudes.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Wo würden Sie einem Bauherrn raten anzufangen?
Claus Fenkl: Mit einer vernünftigen Bestandsaufnahme. Baujahr, vorhandener Wand- und Dachaufbau, Dämmstandard, Fenster, Heizungsanlage, Feuchtigkeitsschäden und der allgemeine Zustand der Bausubstanz gehören für mich zu den Grundlagen.
Erst danach sollte entschieden werden, welche Maßnahmen technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie ausgeführt werden.
Gerade bei älteren Gebäuden muss man dabei ehrlich bleiben: Nicht jede mögliche Sanierungsmaßnahme ist automatisch wirtschaftlich sinnvoll. Andere Maßnahmen rechnen sich vielleicht nicht unmittelbar, können aber trotzdem für den Werterhalt, den Wohnkomfort oder die langfristige Nutzung des Gebäudes wichtig sein.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Welche Gewerke spielen bei einer typischen Sanierung zusammen?
Claus Fenkl: Das hängt natürlich vom Gebäude ab. Bei umfangreicheren Sanierungen kommen aber schnell mehrere Gewerke zusammen.
Bei uns betrifft das beispielsweise Fassaden- und Putzarbeiten, Maler- und Lackiererarbeiten, Trockenbau, Bodenaufbauten und Bodenbeläge sowie weitere Leistungen des Innenausbaus. Hinzu kommen je nach Projekt technische Gewerke wie Elektro, Sanitär und Heizung.
Entscheidend ist nicht nur, dass jedes Gewerk seine eigene Arbeit ordentlich ausführt. Die Schnittstellen müssen funktionieren.
Ein Maler kann beispielsweise eine perfekte Oberfläche herstellen wenn sich darunter aufgrund eines ungeeigneten Aufbaus oder eines Problems im Untergrund Risse bilden, wird man diese später trotzdem sehen. Deshalb sind die Abstimmung und die richtige Reihenfolge der Arbeiten mindestens genauso wichtig wie die einzelne handwerkliche Leistung.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Was ist Ihr wichtigster Tipp für die Planungsphase?
Claus Fenkl: Einen realistischen Zeitplan aufstellen und ausreichend Puffer berücksichtigen.
Wir erleben immer wieder, dass bei größeren Sanierungen sehr ambitionierte Fertigstellungstermine angesetzt werden. Dabei werden Trocknungszeiten, Materiallieferungen, notwendige Vorarbeiten oder Abhängigkeiten zwischen den Gewerken teilweise unterschätzt.
Gerade Putz, Estrich, Spachtelarbeiten und Beschichtungen benötigen bestimmte Bedingungen und Zeiten. Diese Prozesse lassen sich nicht beliebig beschleunigen.
Ein vernünftig geplanter Bauablauf ist deshalb meistens wirtschaftlicher als eine Baustelle, auf der ständig unter Zeitdruck gearbeitet und anschließend nachgebessert werden muss.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Stichwort Förderung wie gehen Sie damit um?
Claus Fenkl: Wir weisen unsere Kunden darauf hin, dass für energetische Maßnahmen verschiedene Fördermöglichkeiten bestehen können. Welche Förderung im konkreten Fall möglich und sinnvoll ist, sollte mit einem entsprechend qualifizierten Energieberater beziehungsweise einer Energieberaterin geklärt werden.
Unsere Aufgabe liegt anschließend vor allem darin, die handwerkliche Ausführung mit den planerischen und technischen Vorgaben abzustimmen.
Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, dass sich Eigentümer mit dem Thema Förderung beschäftigen, bevor Aufträge erteilt oder Maßnahmen begonnen werden. Bei verschiedenen Programmen können bestimmte Voraussetzungen und Fristen einzuhalten sein.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Was unterscheidet ein Bauunternehmen mit eigenem Projektmanagement von einer reinen Handwerksleistung?
Claus Fenkl: Der Unterschied wird besonders deutlich, sobald mehrere Gewerke beteiligt sind.
Dann geht es nicht mehr nur darum, eine einzelne Leistung fachgerecht auszuführen. Termine müssen aufeinander abgestimmt, Schnittstellen geklärt, Leistungen kontrolliert und bei unvorhergesehenen Situationen Entscheidungen getroffen werden.
Genau hier setzen wir mit der CF Baumanagement GmbH an. Wir verbinden unsere eigenen handwerklichen Leistungen mit der Koordination und Steuerung umfangreicherer Bau- und Sanierungsprojekte.
Für den Auftraggeber hat das einen entscheidenden Vorteil: Er hat einen zentralen Ansprechpartner, der den Gesamtüberblick über die Baustelle behält, anstatt zahlreiche einzelne Abläufe selbst koordinieren zu müssen.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Wo sehen Sie die größten Fehlerquellen auf Sanierungsbaustellen?
Claus Fenkl: Drei Punkte begegnen uns immer wieder: unklare Leistungsbeschreibungen, schlecht abgestimmte Schnittstellen zwischen den Gewerken und fehlende Kommunikation.
Gerade bei Bestandsgebäuden kann man außerdem nicht jedes Detail im Voraus erkennen. Manchmal öffnet man einen Boden, eine Wand oder eine Decke und findet eine Situation vor, die in keinem Plan verzeichnet war.
Dann ist entscheidend, dass schnell kommuniziert und gemeinsam entschieden wird, wie weitergearbeitet werden soll.
Wir legen deshalb Wert darauf, Leistungen möglichst klar zu definieren, die nächsten Arbeitsschritte abzustimmen und Probleme nicht aufzuschieben. Der Bauherr sollte nachvollziehen können, was aktuell ausgeführt wird, welcher Schritt anschließend folgt und ob es Punkte gibt, bei denen eine Entscheidung notwendig ist.
Hausbau Blog & Bautagebuch: Ihr Rat an jemanden, der gerade vor der Entscheidung für eine Sanierung steht?
Claus Fenkl: Nicht mit einer einzelnen Baumaßnahme beginnen, sondern zunächst mit einer vernünftigen Beratung und Bestandsaufnahme.
Lassen Sie sich das Gebäude anschauen, sprechen Sie über Ihre Ziele und Ihr verfügbares Budget und fragen Sie auch nach vergleichbaren Referenzprojekten.
Ein seriöser Betrieb sollte Ihnen nicht nur erklären können, was gemacht werden kann, sondern auch sagen, welche Maßnahmen aus seiner Sicht nicht notwendig oder zum aktuellen Zeitpunkt nicht sinnvoll sind.
Gerade bei umfangreicheren Sanierungen ist außerdem die regionale Nähe ein Vorteil. Kurze Wege erleichtern Baustellentermine, Abstimmungen und kurzfristige Entscheidungen.
Für uns bedeutet gutes Baumanagement deshalb nicht, möglichst viele Leistungen zu verkaufen. Es bedeutet, die richtigen Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge umzusetzen und die beteiligten Gewerke so miteinander zu koordinieren, dass am Ende ein funktionierendes Gesamtprojekt entsteht.



