Die Statik entscheidet darüber, ob ein Gebäude Lasten dauerhaft sicher trägt. Ohne durchdachte Tragwerksplanung kann ein Haus zwar auf dem Papier gut aussehen, versagt aber möglicherweise bei Wind, Schnee oder neuen Lasten im Ausbau. Genau an dieser Stelle kommt der Statiker – fachlich korrekt Tragwerksplaner – ins Spiel. Er berechnet die Tragfähigkeit, prüft Bauteile wie Wände, Decken, Fundamente sowie Stahlträger und sorgt dafür, dass ein Bauwerk dauerhaft standsicher bleibt.
Was macht ein Statiker – und wann ist er überhaupt nötig?
Kurz gesagt: Ein Statiker stellt sicher, dass ein Tragwerk aus Wänden, Decken, Stützen, Trägern und Fundamenten die zu erwartenden Lasten sicher aufnehmen kann. Seine Berechnungen bilden die Grundlage dafür, dass ein Bauwerk genehmigungsfähig ist und langfristig stabil bleibt.
Gleichzeitig gehören die Kosten für einen Statiker zu den weniger greifbaren Positionen im Budget. Während sich Quadratmeterpreise und Materialkosten leicht einordnen lassen, wirkt das Honorar für die Statik zunächst abstrakt. In der Praxis bewegen sich die Kosten für einen Statiker jedoch in klaren Größenordnungen:
- Bei kleineren Eingriffen wie einem Wanddurchbruch liegen die Kosten häufig zwischen rund 300 und 1.300 Euro – je nach Wandtyp und Umfang der Berechnung.
- Bei einem typischen Neubau eines Einfamilienhauses sind für die Tragwerksplanung meist Beträge zwischen etwa 1.500 und 4.500 Euro realistisch, abhängig von Baukosten, Honorarzone und Leistungsumfang.
Im Verhältnis zu den gesamten Baukosten sind die Statiker Kosten damit ein eher kleiner, aber sicherheitskritischer Teil der Baunebenkosten. Baunebenkosten insgesamt können schnell 15 bis 20 Prozent der Baukosten erreichen, wovon die Tragwerksplanung nur einen Teil ausmacht.
Bezeichnungen und Rolle im Bauprojekt
Im Alltag hat sich der Begriff „Statiker“ eingebürgert, fachlich korrekt lautet die Bezeichnung „Tragwerksplaner“. Beide Begriffe beschreiben in der Regel einen Bauingenieur mit Spezialisierung auf Baustatik und Tragwerksplanung. Oft fallen noch weitere Bezeichnungen:
- Tragwerksplaner
- Baustatiker
- Bauingenieur für konstruktiven Ingenieurbau
Sie alle haben die gleiche Kernaufgabe: die Tragfähigkeit eines Bauwerks rechnerisch nachzuweisen und in genehmigungsfähige Unterlagen zu übersetzen.
Typische Aufgaben eines Statikers
Die konkreten Aufgaben eines Statikers hängen vom jeweiligen Bauprojekt ab, folgen aber einem wiederkehrenden Muster:
- Ermittlung der maßgeblichen Lasten (Eigengewicht, Nutzlasten, Wind, Schnee, gegebenenfalls Erdbeben)
- Berechnung der Tragfähigkeit von Bauteilen wie Wänden, Decken, Stützen, Fundamenten und Stahlträgern
- Nachweis der Standsicherheit des gesamten Bauwerks
- Dimensionierung der Bauteile, zum Beispiel Wandstärken, Bewehrung oder Querschnitt von Trägern
- Erstellung der statischen Berechnung und des Standsicherheitsnachweises für die Baugenehmigung
- Bei Bedarf Ausführungsplanung wie Bewehrungspläne oder Details zu Anschlüssen und Knotenpunkten
Damit berührt die Arbeit des Statikers nahezu alle tragenden Bauelemente eines Gebäudes – vom Fundament über das Tragwerk der Wände bis zum Dach.
In welchen Fällen ist ein Statiker erforderlich?
In vielen Bundesländern ist ein statischer Nachweis bereits dann Pflicht, wenn ein Gebäude genehmigungspflichtig ist. Typische Fälle, in denen ein Statiker oder Tragwerksplaner eingebunden wird:
- Neubau eines Einfamilienhauses oder Mehrfamilienhauses
- Aufstockung eines bestehenden Gebäudes
- Anbau mit eigenem Fundament und neuen Lasten
- Wanddurchbruch in tragenden Wänden
- Umbauten mit Eingriffen in das Tragwerk, etwa große Fensteröffnungen oder das Entfernen von Stützen
Bei typengeprüften Fertighäusern ist die Statik meist in den Hauskosten enthalten. Bei frei geplanten Projekten wird der Statiker häufig separat beauftragt – entweder direkt durch die Bauherren oder mittelbar über den Architekten.
Wie werden Statiker-Kosten berechnet? Grundlagen von HOAI und Honorarzonen
Die Frage „Was kostet ein Statiker?“ lässt sich nicht mit einer einzigen Pauschalsumme beantworten, weil für Tragwerksplaner andere Honorargrundlagen gelten als etwa für Handwerker mit Stundensätzen. In Deutschland dient dafür in vielen Fällen die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) als Orientierung.
HOAI als Orientierungsrahmen
Die HOAI definiert für verschiedene Leistungsbilder – darunter auch die Tragwerksplanung – Honorartafeln mit Mindest- und Höchstsätzen. Seit der Reform der HOAI dürfen Honorare zwar frei vereinbart werden, die Tabellen werden in der Praxis aber weiterhin als Referenz genutzt.
Für die Tragwerksplanung ist vor allem der Abschnitt zu den anrechenbaren Kosten und den Honorarzonen relevant:
- Anrechenbare Kosten: Teil der Baukosten, die für die Berechnung des Honorars herangezogen werden
- Honorarzonen: Einteilung von Bauvorhaben in Schwierigkeitsgrade, zum Beispiel geringe bis sehr hohe Anforderungen
- Leistungsphasen: Aufteilung der Tragwerksplanung in einzelne Phasen mit prozentualen Anteilen am Gesamthonorar
Anrechenbare Kosten in der Tragwerksplanung
Statiker berechnen ihr Honorar nicht auf Basis sämtlicher Baukosten, sondern auf den sogenannten anrechenbaren Kosten. Diese umfassen in der Tragwerksplanung typischerweise:
- einen Anteil der Baukonstruktionskosten, häufig ein definierter Prozentsatz
- ergänzt um einen Anteil der Kosten für technische Anlagen
Aus diesen anrechenbaren Kosten wird dann mit Hilfe der HOAI-Honorartafeln ein Basishonorar abgeleitet.
Honorarzonen und Schwierigkeitsgrad
Damit die Honorare der Tragwerksplanung fair und vergleichbar bleiben, teilt die HOAI Projekte in Honorarzonen ein. Für Tragwerksplanungen sind dies im Kern die Zonen I bis V:
- Honorarzone I: sehr geringe Anforderungen
- Honorarzone II: geringe Anforderungen
- Honorarzone III: durchschnittliche Anforderungen
- Honorarzone IV: hohe Anforderungen
- Honorarzone V: sehr hohe Anforderungen
Ein typisches Einfamilienhaus bewegt sich häufig im Bereich Honorarzone II oder III. Komplexe Tragwerke mit ungewöhnlichen Spannweiten oder außergewöhnlicher Architektur können in höhere Honorarzonen fallen – etwa bei großen Glasflächen, weit auskragenden Bauteilen oder besonderen Dachkonstruktionen.
Aufteilung nach Leistungsphasen
Die HOAI beschreibt die Tragwerksplanung außerdem in Leistungsphasen. Diese reichen von der Grundlagenermittlung über die Entwurfs- und Genehmigungsstatik bis hin zur Ausführungsplanung. Die prozentuale Verteilung auf das Gesamthonorar ist gesetzlich geregelt, beispielsweise:
- Grundlagenermittlung mit einem kleineren prozentualen Anteil
- Vorplanung und Entwurfsplanung mit einem zunehmenden Anteil
- Genehmigungsplanung als wesentliche Phase mit einem hohen Prozentanteil
- Ausführungsplanung und weitere Phasen mit entsprechendem Anteil
In der Praxis vereinbaren Statiker und Bauherrschaft auf dieser Basis ein Honorar, das sich an den anrechenbaren Kosten, der Honorarzone und dem gewünschten Leistungsumfang orientiert.
Was kostet ein Statiker beim Neubau eines Einfamilienhauses?
Beim Neubau eines Einfamilienhauses stellt sich die Frage nach der Statik besonders früh. Parallel zur architektonischen Planung muss das Tragwerk entstehen, damit eine genehmigungsfähige Planung vorliegt.
Realistische Größenordnung beim Hausbau
Für ein typisches Neubauprojekt in Form eines Einfamilienhauses bewegen sich die Kosten für einen Statiker in der Praxis häufig in einem Korridor von etwa 1.500 bis 4.500 Euro – je nach Baukosten, Honorarzone und Umfang der Tragwerksplanung.
Zwei Ansätze helfen bei der Einordnung:
- Prozentualer Anteil an den Baukosten
Einige Fachquellen gehen davon aus, dass die Statiker Kosten in der Regel rund 0,5 bis 1,5 Prozent der gesamten Baukosten ausmachen. Bei einem Baubudget von 300.000 Euro entspricht dies etwa 1.500 bis 4.500 Euro. - HOAI-basierte Betrachtung über anrechenbare Kosten
Wird gemäß HOAI gerechnet, werden zunächst die anrechenbaren Kosten aus den Baukonstruktionskosten und einem Anteil der technischen Anlagen hergeleitet. Auf dieser Basis lässt sich das Honorar gemäß der zutreffenden Honorarzone ermitteln. Beispielrechnungen für Standard-Einfamilienhäuser zeigen, dass so in der Regel ebenfalls Größenordnungen im Bereich von einigen tausend Euro entstehen.
Einfluss der Honorarzone beim Einfamilienhaus
Die Höhe der Statiker Kosten für ein Einfamilienhaus hängt stark davon ab, in welche Honorarzone das Bauvorhaben fällt:
- Ein konventionell geplantes Massivhaus ohne extreme Spannweiten liegt oft in Honorarzone II oder III
- Häuser mit offener Grundrissgestaltung, großen Fensterflächen, auskragenden Bauteilen oder besonderen Dachformen können in eine höhere Honorarzone eingeordnet werden
Je höher die Honorarzone, desto höher der Honorarsatz in der HOAI-Tafel – und damit das Statikerhonorar.
Anteil im Gesamtbudget des Neubaus
Setzt man typische Statiker-Kosten von rund 1.500 bis 4.500 Euro ins Verhältnis zu Baukosten von 300.000 Euro, wird deutlich: Die Tragwerksplanung ist zwar kein Bagatellposten, im Gesamtbild des Hausbaus aber eine vergleichsweise kleine Position. Baunebenkosten können insgesamt bis zu 15 bis 20 Prozent der Baukosten erreichen, wovon die Statik nur einen Teil ausmacht.
Gleichzeitig hat die Statik unmittelbare Auswirkungen auf Sicherheit, Standsicherheit und mögliche Folgekosten. Fehler in der Tragwerksplanung können deutlich teurer werden als eine sorgfältige, von Anfang an durchdachte Tragwerksplanung.
Wie teuer ist ein Statiker bei Wanddurchbruch, Anbau und kleineren Umbauten?
Während beim Neubau häufig komplette Tragwerkskonzepte beauftragt werden, geht es bei Umbauten eher um gezielte Eingriffe in vorhandene Strukturen. Gerade beim Wanddurchbruch oder einem Anbau stellt sich die Frage, welche Kosten für den Statiker anfallen.
Wanddurchbruch in nichttragender und tragender Wand
Die Kosten für einen Statiker beim Wanddurchbruch hängen vor allem davon ab, ob es sich um eine tragende oder nichttragende Wand handelt und wie gut der Bestand dokumentiert ist. Viele Praxisbeispiele und Ratgeber nennen als grobe Richtwerte:
- Nichttragende Wand: Statiker-Kosten oft im unteren Bereich, etwa ab 250 bis 500 Euro – häufig genügt eine Aktensichtung und eine einfache Prüfung
- Tragende Wand: Für einen vollständigen statischen Nachweis mit Berechnung, Dimensionierung des Stahlträgers und Dokumentation werden typischerweise 500 bis 2.000 Euro genannt, in Einzelfällen auch darüber hinaus
Aktuelle Einschätzungen nennen für den Statiker beim Wanddurchbruch eine Spanne von rund 300 bis 1.300 Euro, je nach Wandtyp und Gebäudestruktur. Damit wird deutlich: Je unsicherer die vorhandene Tragstruktur und je größer der Eingriff, desto höher der Aufwand für die statische Berechnung – und damit die Kosten.
Typische Zusatzleistungen beim Wanddurchbruch
Beim Wanddurchbruch beschränkt sich die Arbeit des Statikers meist nicht nur auf eine kurze Einschätzung. Häufig gehören dazu:
- Prüfung vorhandener Unterlagen wie alte Statik, Bauzeichnungen und Bodengutachten
- Beurteilung, ob es sich tatsächlich um eine tragende Wand handelt
- Berechnung der neuen Lastabtragung und der Kräfte im Tragwerk
- Dimensionierung des benötigten Stahlträgers oder Stahlbetonsturzes
- Erstellung einer statischen Berechnung als Nachweis für Bauaufsicht oder Versicherung
Je mehr Daten bereits vorliegen, desto einfacher wird die Berechnung. Fehlen Pläne oder sind Bauteile verdeckt, muss der Statiker teilweise vor Ort prüfen, was den Aufwand erhöht.
Statiker-Kosten bei Anbau und kleineren Umbauten
Anbauten, Aufstockungen oder größere Fensteröffnungen greifen ebenfalls in das Tragwerk ein. Die Kosten für den Statiker bewegen sich hier typischerweise deutlich über denen eines einfachen Wanddurchbruchs, da zusätzliche Bauteile und das Fundament einbezogen werden müssen.
Abhängig von Größe und Komplexität eines Anbaus können die Statiker Kosten daher von einigen hundert Euro bis in den unteren vierstelligen Bereich reichen. Entscheidend ist dabei:
- Ob ein neues Fundament und zusätzliche Lasten in den Baugrund eingeleitet werden
- Wie der Anbau an das bestehende Bauwerk angeschlossen wird
- Ob mehrere Bauteile wie Decke, Dach oder große Öffnungen in die Berechnung einfließen
Beispiele aus der Praxis
Zur Einordnung helfen typische Szenarien:
- Wanddurchbruch in einer nichttragenden Innenwand: geringer Aufwand, begrenzte Berechnung – ein niedriger dreistelliger Bereich ist möglich
- Wanddurchbruch in einer tragenden Wand mit Stahlträger: vollständige Berechnung, Nachweis, eventuell Baustellenbesuch – häufig mittlerer dreistelliger bis niedriger vierstelliger Bereich
- Kleiner Anbau mit eigenem Fundament und Anbindung an das bestehende Haus: höhere anrechenbare Kosten, komplexere Tragwerksplanung – deutlich höhere Statiker Kosten als bei einer Einzelleistung wie einem einfachen Wanddurchbruch
Welche Faktoren bestimmen, wie viel ein Statiker kostet?
Warum liegen Angebote für scheinbar ähnliche Aufgaben mitunter weit auseinander? Der Hintergrund: Statiker Kosten hängen von mehreren Faktoren ab, die sich je nach Bauprojekt sehr unterschiedlich ausprägen.
Projektgröße und Art des Bauwerks
Ein grundlegender Einflussfaktor sind Größe und Art des Gebäudes:
- Ein Einfamilienhaus mit überschaubarer Grundfläche und klassischer Bauweise erzeugt deutlich weniger Aufwand in der Tragwerksplanung als ein komplexes Mehrfamilienhaus oder ein Gewerbebau
- Bei kleineren Projekten wie einer Garage, einem Carport, Balkon oder Wintergarten fällt die Statik oft schlanker aus, wobei Mindesthonorare und Nebenkosten ebenfalls eine Rolle spielen
Mit zunehmender Projektgröße steigen nicht nur die anrechenbaren Kosten, sondern auch der Umfang der erforderlichen Berechnungen.
Schwierigkeitsgrad und Honorarzone
Die HOAI spiegelt den Schwierigkeitsgrad eines Projekts in der Einordnung in eine Honorarzone wider. Je komplexer das Tragwerk, desto höher die Honorarzone – und damit das Honorar:
- Ein einfaches, regelmäßig aufgebautes Tragwerk mit klaren Lastpfaden bewegt sich meist in den unteren Honorarzonen
- Besondere Tragwerke mit hohen gestalterischen Anforderungen, großen Spannweiten oder ungewöhnlichen Bauteilen fallen in höhere Zonen bis hin zur Honorarzone 5
Für Bauherren bedeutet das: Nicht nur die Größe, sondern auch die konstruktive Idee des Hauses beeinflusst die Statiker Kosten.
Bauweise, Materialien und Details des Tragwerks
Auch die gewählte Bauweise hat direkten Einfluss auf den Aufwand in der Tragwerksplanung:
- Massivbau aus Mauerwerk oder Stahlbeton mit klassischen Spannweiten ist statisch gut erforscht und vergleichsweise berechenbar
- Holzbau oder Mischkonstruktionen mit Stahl, Glas und Beton können aufwendigere Nachweise erfordern
- Große Öffnungen in Außenwänden, weit gespannte Decken oder freitragende Bauteile erhöhen den Rechenaufwand und den Koordinationsbedarf mit Architekten und Fachplanern
Jedes zusätzliche Detail im Tragwerk – etwa ein weit auskragender Balkon oder ein besonders schlank dimensionierter Stahlträger – muss im Rahmen der Statik sicher nachgewiesen werden.
Umfang der beauftragten Leistungen
Statiker übernehmen nicht immer das volle Paket der Tragwerksplanung. Je nachdem, was beauftragt wird, verändern sich Aufwand und Kosten:
- Nur einzelne Nachweise, zum Beispiel für einen Wanddurchbruch
- Komplette Genehmigungsstatik für einen Neubau
- Zusätzliche Ausführungsplanung mit detaillierten Bewehrungsplänen
- Baustellenbegehungen zur Kontrolle der Umsetzung der statischen Vorgaben
Beauftragt wird häufig ein Bündel von Leistungen, das individuell zwischen Statiker und Bauherrschaft vereinbart wird.
Regionale Unterschiede und Auslastung
Wie bei vielen Planungsleistungen spielen regionale Marktbedingungen eine Rolle:
- In Ballungsgebieten mit hoher Bautätigkeit sind Honorare tendenziell höher als in Regionen mit geringerer Nachfrage
- Hohe Auslastung im Büro des Statikers kann dazu führen, dass nur Projekte mit ausreichend Honorar angenommen werden
Stundensätze von Statikern bewegen sich oft in einer Größenordnung, die erklärt, warum pauschale Angebote und HOAI-basierte Honorare zum Teil deutlich variieren.
Welche Leistungen sind im Honorar enthalten – und welche Zusatzkosten kommen dazu?
Damit sich Kosten für einen Statiker realistisch einordnen lassen, ist entscheidend zu verstehen, welche Leistungen in einem Angebot überhaupt enthalten sind. Die Tragwerksplanung umfasst mehrere Leistungsphasen und Aufgaben, die sich nicht bei jedem Projekt im gleichen Umfang wiederfinden.
Grundleistungen der Tragwerksplanung
Als Grundleistungen gelten diejenigen Arbeiten, die typischerweise für ein Bauprojekt erforderlich sind. In der Praxis gehören dazu unter anderem:
- Grundlagenermittlung: Sichtung der Unterlagen, Klärung der Aufgabenstellung, erste Abstimmung mit Architekten und Bauherren
- Vorplanung und Entwurfsstatik: überschlägige Berechnung der Statik, um die grundsätzliche Tragfähigkeit des geplanten Tragwerks zu prüfen
- Genehmigungsstatik: detaillierte Berechnung und Dokumentation der Standsicherheit als Voraussetzung für die Baugenehmigung
- Ausführungsplanung: detaillierte statische Berechnung einzelner Bauteile, etwa Decken, Fundamente, Träger und Stützen
Welche dieser Leistungen konkret benötigt werden, hängt stark vom Bauprojekt ab. Beim Neubau eines Hauses sind in der Regel alle Phasen relevant, bei einem überschaubaren Wanddurchbruch genügt dagegen häufig eine gezielte Berechnung.
Besondere Leistungen und Zusatzaufwand
Neben den Grundleistungen gibt es besondere Leistungen, für die oft zusätzliche Honorare vereinbart werden. Dazu zählen zum Beispiel:
- Aufmaß und Bestandsaufnahme bei älteren Gebäuden ohne verlässliche Pläne
- Zusätzliche Nachweise, etwa für einzelne Bauelemente mit erhöhten Anforderungen
- Variantenvergleiche, wenn alternative Tragwerkslösungen durchgerechnet werden sollen
- Baustellenbegehungen zur Kontrolle der Ausführung im Hinblick auf Standsicherheit
Solche zusätzlichen Arbeiten sind ein wichtiger Grund dafür, dass Kosten für den Statiker bei Umbauten in vielen Fällen höher liegen, als es der reine Bauumfang vermuten lässt. Jede Änderung am Tragwerk eines bestehenden Gebäudes erfordert eine sorgfältige Berechnung, damit die Stabilität insgesamt erhalten bleibt.
Welche Kosten gehören nicht zum Statikerhonorar?
Wichtig ist die Abgrenzung zu Kosten, die nicht unter das Honorar eines Tragwerksplaners fallen:
- Bodengutachten: Die Untersuchung des Baugrunds wird in der Regel von einem Geotechniker oder Bodengutachter durchgeführt. Der Statiker benötigt die Ergebnisse, erstellt das Gutachten aber nicht selbst.
- Prüfstatik: In manchen Bundesländern ist bei größeren Bauvorhaben ein Prüfingenieur für Baustatik vorgeschrieben, der die Berechnung des Statikers kontrolliert. Dessen Kosten sind separat zu berücksichtigen.
- Materialkosten: Zusätzliche Bewehrung, größere Querschnitte von Trägern oder stärkere Fundamente erhöhen die Baukosten, gehören aber nicht zum Honorar des Statikers.
Für eine vollständige Kostenermittlung sollten Bauherren daher neben dem Honorar des Tragwerksplaners auch diese Positionen im Blick behalten. Die Honorare des Statikers basieren typischerweise auf HOAI-Grundsätzen, während Prüfingenieure und Gutachter eigene Honorarstrukturen verwenden.
So läuft die Kostenermittlung mit dem Statiker in der Praxis ab
Wer zum ersten Mal einen Statiker beauftragt, möchte wissen, wie aus einer ersten Idee ein konkretes Honorar entsteht. Der Ablauf folgt meist einem klaren Schema, unabhängig davon, ob es um den Neubau eines Hauses oder um einen gezielten Umbau geht.
Schritt 1: Projektbeschreibung und Unterlagen
Am Anfang steht eine möglichst präzise Beschreibung des Vorhabens:
- Art des Projekts (Neubau, Anbau, Umbau, Wanddurchbruch)
- Größe und Nutzung des Gebäudes
- vorhandene Pläne und Unterlagen, zum Beispiel Grundrisse, Schnitte, alte Statik
Je genauer die Angaben zum Gebäude und zu den gewünschten Änderungen sind, desto zielgenauer kann ein Statiker die benötigten Leistungen abschätzen. Erste Fragen zu Lasten, Bauteilen und Materialien lassen sich in diesem Schritt klären.
Schritt 2: Erste Einschätzung und Honorarvorschlag
Auf Basis der Projektbeschreibung und der anrechenbaren Kosten kann der Tragwerksplaner eine erste Kosteneinschätzung abgeben. Hier fließen Faktoren wie:
- Honorarzone und Schwierigkeitsgrad des Tragwerks
- Umfang der gewünschten Leistungen
- voraussichtlicher Aufwand in den einzelnen Planungsbereichen
Viele Büros erstellen daraufhin einen schriftlichen Honorarvorschlag. Darin ist üblicherweise beschrieben, welche Leistungen enthalten sind, welche Bezeichnung das Leistungsbild hat und wie die Kostenermittlung erfolgt – zum Beispiel HOAI-basiert oder als pauschales Honorar.
Schritt 3: Abstimmung mit Architekten und anderen Planern
In vielen Bauprojekten arbeiten Statiker eng mit Architekten und Fachplanern zusammen. Diese Abstimmung ist wichtig, damit:
- Grundrisse, Tragwerk und Haustechnik sinnvoll aufeinander abgestimmt werden
- keine widersprüchlichen Anforderungen an Bauelemente entstehen
- Änderungen in der Planung nicht mehrfach verarbeitet werden müssen
Gerade im Neubau ist die Zusammenarbeit von Architekten und Ingenieuren ein entscheidender Faktor, um zukunftsfähige, sichere und wirtschaftliche Tragwerke zu entwickeln.
Schritt 4: Beauftragung und detaillierte Berechnung
Erst mit einer klaren Beauftragung beginnt die eigentliche Arbeit des Statikers. Er erstellt die statische Berechnung, dokumentiert die Einflussgrößen und Kräftesysteme und ermittelt die erforderlichen Dimensionen der Bauteile. In dieser Phase geht es um die zentrale Frage, welche Kräfte auf das Bauwerk wirken und wie diese zuverlässig abgetragen werden können.
Je nach Projekt kann die Arbeit am Tragwerk einige Tage bis mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Je komplexer das Bauwerk, desto detaillierter müssen die Nachweise der Standsicherheit geführt werden.
Schritt 5: Übergabe der Unterlagen und Begleitung der Ausführung
Zum Abschluss der Planung übergibt der Statiker die Unterlagen, also etwa:
- statische Berechnung
- Standsicherheitsnachweis
- gegebenenfalls Ausführungspläne für Bewehrung oder Stahlträger
In manchen Projekten wird der Tragwerksplaner außerdem damit beauftragt, einzelne Bauabschnitte auf der Baustelle zu begleiten, etwa das Betonieren eines besonders sensiblen Fundaments oder das Einbauen eines Trägers in eine tragende Wand. Diese Arbeit auf der Baustelle ist nicht immer Teil des Grundhonorars, kann aber für die praktische Standsicherheit von großer Bedeutung sein.
Wie lassen sich Statiker-Kosten optimieren, ohne an Sicherheit zu sparen?
Statik ist eine sicherheitsrelevante Disziplin. Die Frage darf daher nicht lauten, wie sich die Kosten für einen Statiker auf ein Minimum drücken lassen, sondern wie sich Aufwand und Nutzen sinnvoll in Einklang bringen lassen. Es gibt einige Stellschrauben, mit denen Bauherren Kosten für den Statiker im Rahmen halten können, ohne die Standsicherheit zu gefährden.
Frühzeitige Planung und klare Aufgabenstellung
Der wichtigste Faktor ist eine saubere, frühzeitige Planung:
- Je früher ein Statiker in die Planung eingebunden wird, desto besser lassen sich tragfähige Lösungen entwickeln, die spätere Änderungen vermeiden.
- Eine klare Aufgabenstellung mit genauen Angaben zu Haus, Bauwerksstruktur und gewünschter Nutzung reduziert Nachfragen und Zusatzaufwand.
Unklare oder ständig wechselnde Vorgaben führen dagegen häufig dazu, dass Berechnungen angepasst oder vollständig neu aufgesetzt werden müssen – mit spürbaren Auswirkungen auf die Honorare.
Konstruktiv sinnvolle Lösungen wählen
Ein weiterer Hebel liegt in der Wahl des Tragwerks. Konstruktionen, die auf den ersten Blick spektakulär wirken, sind statisch oft mit hohem Aufwand verbunden. Wer auf konzeptionell gut beherrschte Tragwerke setzt, profitiert von effizienteren Berechnungen und klaren Lastabtragungen. Beispiele:
- Regelmäßige, gut abgestimmte Stützenraster statt extrem großer Spannweiten
- Reduktion unnötig auskragender Bauteile
- sinnvolle Kombination aus tragenden Wänden und schlanken Trägern
In vielen Fällen lässt sich durch kleinere Anpassungen in der Planung ein ähnliches Raumerlebnis mit deutlich geringerem statischen Aufwand erzielen.
Angebote vergleichbar machen
Wer mehrere Angebote von Tragwerksplanern einholt, sollte darauf achten, dass diese inhaltlich vergleichbar sind. Hilfreich ist zum Beispiel:
- genau zu klären, welche Leistungsphasen enthalten sind
- zusätzliche Leistungen wie Baustellenbegehungen gesondert auszuweisen
- auf eine einheitliche Grundlage der Kostenermittlung zu achten
Nur wenn Inhalte und Leistungen ähnlich definiert sind, geben unterschiedliche Angebote einen verlässlichen Blick auf die tatsächlichen Preisunterschiede.
Koordination mit anderen Planungsleistungen
In vielen Projekten überschneiden sich die Aufgaben von Statiker und anderen Planern. Eine enge Koordination mit Architekten, Haustechnikplanern und Fachingenieuren verhindert doppelte Arbeit. Wenn zum Beispiel Durchbrüche für Leitungen schon in der Planungsphase berücksichtigt werden, müssen statische Nachweise nicht mehrfach angepasst werden.
Welche Rolle spielt die Statik im Gesamtbudget des Hausbaus?
Die Statik ist ein Baustein von vielen im Gesamtbudget eines Hausbauprojekts. Sie hat eine zentrale Bedeutung für Standsicherheit, Tragfähigkeit und Sicherheit, macht aber nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der Gesamtkosten aus.
Anteil der Statik an Bau- und Baunebenkosten
Setzt man typische Honorare für einen Tragwerksplaner von wenigen tausend Euro ins Verhältnis zu Gesamtbaukosten von mehreren hunderttausend Euro, liegen die Statiker Kosten meist klar unter zwei Prozent der Baukosten. Hinzu kommen weitere Baunebenkosten wie:
- Architektenhonorar
- Gebühren für Baugenehmigung und Vermessung
- Bodengutachten und gegebenenfalls weitere Gutachten
- Kosten für Energieberatung oder Haustechnikplanung
Diese Baunebenkosten summieren sich häufig auf einen deutlich zweistelligen Prozentanteil der Bausumme. Innerhalb dieses Rahmens ist die Statik eine der zentralen sicherheitsrelevanten Komponenten, aber nicht der dominante Kostenblock.
Wirtschaftlichkeit und Folgewirkungen
Obwohl der Anteil der Statik am Budget begrenzt ist, kann die Tragwerksplanung erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des gesamten Bauprojekts haben:
- Überdimensionierung führt dazu, dass mehr Material als notwendig eingesetzt wird – die Materialkosten steigen.
- Unterschätzung von Lasten oder unzureichende Standsicherheit kann im schlimmsten Fall zu Schäden, Nutzungseinschränkungen oder teuren Sanierungen führen.
Eine sorgfältige, fachgerecht ausgeführte Tragwerksplanung ist daher weniger Kostenfaktor als vielmehr Versicherung gegen teure Folgewirkungen. Insofern spielt die Statik eine strategische Rolle im Hausbau: Sie bildet das Fundament für Stabilität, Nutzungsdauer und Sicherheit.
FAQ: Wichtige Fragen zu Statiker-Kosten und Tragwerksplanung
Ist ein Statiker bei jedem Einfamilienhaus Pflicht?
In vielen Fällen ja. Sobald ein Gebäude genehmigungspflichtig ist, verlangen die Behörden einen Standsicherheitsnachweis. Bei typisierten Fertighäusern ist die Statik meist bereits in den Hauskosten enthalten, bei individuell geplanten Häusern wird ein eigener Tragwerksplaner benötigt.
Wer beauftragt den Statiker – Architekt oder Bauherren?
In der Praxis gibt es beide Varianten. Häufig empfehlen Architekten einen Statiker, den die Bauherren dann direkt beauftragen. In anderen Fällen erfolgt die Beauftragung über das Büro des Architekten. Wichtig ist, dass vertraglich klar geregelt ist, wer Auftraggeber ist und welche Leistungen vereinbart sind.
Was passiert, wenn ohne statische Berechnung gebaut wird?
Ohne Nachweis der Standsicherheit drohen ernsthafte Risiken: Die Tragfähigkeit einzelner Bauteile kann unzureichend sein, Schäden am Bauwerk sind möglich, Versicherungen können im Schadensfall Leistungen verweigern und Bauaufsichtsbehörden können die Nutzung untersagen. Selbst ein scheinbar „kleiner“ Umbau ohne Statik kann so langfristig teure Folgen haben.
In welchen Fällen reicht eine einfache Berechnung, und wann ist umfangreiche Tragwerksplanung nötig?
Eine vergleichsweise einfache Berechnung reicht oft bei klar abgegrenzten Aufgaben wie dem Wanddurchbruch in einer bekannten Bestandswand oder bei einem kleinen Carport. Umfangreiche Tragwerksplanung ist dagegen beim Neubau eines Hauses, bei Aufstockungen oder komplexen Anbauten erforderlich, bei denen mehrere Bauteile und Lastpfade betroffen sind.
Unterscheiden sich die Honorare zwischen Neubau und Umbau?
Ja, häufig. Umbauten in bestehenden Gebäuden sind statisch oft anspruchsvoller, weil die vorhandenen Strukturen berücksichtigt werden müssen und Pläne fehlen können. Der Schwierigkeitsgrad und damit die Honorarzone können daher höher liegen als bei einem Neubau mit klarer, von Anfang an geplanter Struktur.
Was hat das Bodengutachten mit der Statik zu tun?
Das Bodengutachten liefert Informationen über Tragfähigkeit und Beschaffenheit des Baugrunds. Der Statiker nutzt diese Daten, um Fundamente und Gründung zu dimensionieren. Das Gutachten selbst gehört aber nicht zu den Leistungen des Statikers, sondern wird separat beauftragt.
Wie hoch sind die Kosten für den Statiker mindestens?
Die Kosten für einen Statiker hängen stark von Projekt und Leistungsumfang ab. Für sehr kleine Aufgaben liegen sie im niedrigen dreistelligen Bereich, bei typischen Einfamilienhäusern im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich. Unterhalb eines bestimmten Minimums lassen sich seriöse Leistungen angesichts des notwendigen Aufwands für Berechnung, Dokumentation und Haftung kaum darstellen.
Lohnt es sich, an der Statik zu sparen?
Die Statik ist die Grundlage für Sicherheit und Standsicherheit eines Gebäudes. Im Verhältnis zu den gesamten Baukosten ist das Honorar eines Tragwerksplaners überschaubar. Einsparungen, die zulasten der Qualität der Tragwerksplanung gehen, sind daher selten sinnvoll. In den meisten Fällen ist eine gute Statik weniger Kostenblock als ein zentraler Beitrag zu Sicherheit, Werthaltigkeit und Langlebigkeit des Hauses.



