Wellplatten sind eine beliebte Lösung, wenn ein Nebengebäude ein leichtes und schnell montiertes Dach bekommen soll. Hinter dem Begriff verbergen sich allerdings Werkstoffe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, etwa glasklares Acryl, schlagzähes Polycarbonat und lichtundurchlässige Platten aus Bitumen.
Die Anforderungen an die Dacheindeckung hängen davon ab, wie der Raum darunter genutzt wird. Ein Carport muss Hagel und Schnee standhalten, ein Geräteschuppen vor allem dicht sein, und in einem Gartenhaus, in dem sich Menschen aufhalten, spielt zusätzlich das Raumklima im Sommer eine Rolle.
Vier Werkstoffe mit eigenen Stärken
Bei Wellplatten für Nebengebäude lassen sich vier Materialgruppen unterscheiden:
- PVC: leicht und preiswert, glasklar mit leicht bläulichem Farbton, geeignet für einfache, wenig beanspruchte Dächer
- Polycarbonat: sehr schlagzäh und hagelfest, in klaren, getönten und durchgefärbten Varianten erhältlich
- Acrylglas: hart, formstabil und mit glasähnlicher Durchsicht, dafür schwerer und teurer als die meisten Polycarbonatplatten
- Bitumenwellplatten: aus organischen Fasern, die mit Bitumen getränkt und in Wellenform gepresst werden, blickdicht und wirtschaftlich
Die drei Kunststoffe gibt es als Lichtplatten, die Tageslicht durchlassen, aber auch in lichtundurchlässigen Varianten. Bitumenplatten decken grundsätzlich blickdicht ab.
Carportdächer müssen Schnee und Hagel standhalten
Ein Carport ist meist an mehreren Seiten offen und dem Wetter direkt ausgesetzt. Bei der Materialwahl stehen deshalb Hagel- und Schneefestigkeit vor optischen Wünschen. Polycarbonat ist hier die naheliegende Wahl, weil das nachgiebige Material Stöße aufnimmt. Acrylglas überzeugt mit klarer Durchsicht, ist als hartes, steifes Material aber weniger nachgiebig. PVC bietet sich vor allem dort an, wo selten Hagel fällt, und verlangt engere Auflagerabstände. Für Standorte mit häufigem Hagel lohnt der Blick auf die Herstellerangaben, denn Materialstärke, Profil und Ausführung bestimmen, wie viel eine Platte verkraftet.
Neben der Belastbarkeit stellt sich am Carport die Frage, wie viel Licht durch das Dach fallen soll. Unter einem glasklaren Dach bleibt der Stellplatz hell, im Sommer kann sich das Fahrzeug darunter aber stärker aufheizen. Getönte oder strukturierte Platten dämpfen die Einstrahlung, lichtundurchlässige Ausführungen verschatten vollständig. Bei Wellplatten reicht die Spanne damit von blickdicht bis nahezu glasklar.
Geräteschuppen brauchen vor allem ein dichtes Dach
Ein Geräteschuppen beherbergt Rasenmäher, Fahrräder und Werkzeug. Bei der Dacheindeckung stehen der Schutz vor Witterung und die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Tageslicht ist dagegen meist zweitrangig. Bitumenwellplatten kommen hier häufig zum Einsatz, da sie leicht sind, sich mit einfachem Werkzeug zuschneiden lassen und eine durchgehende Dachabdeckung ermöglichen. Für sie gilt die Norm DIN EN 534, die Produktangaben und Prüfverfahren festlegt. Eine farbige Beschichtung schützt die Oberfläche vor Witterung und erlaubt es, das Dach farblich an Haus oder Zaun anzupassen.
Wer lieber Kunststoff verlegt, kann auf lichtundurchlässige Ausführungen zurückgreifen, die den Innenraum dunkel halten. Schwere Faserzementplatten, wie sie früher auf vielen Schuppen lagen, verlangen dagegen einen Dachstuhl, der ihr Gewicht sicher trägt, und passen deshalb kaum zu leichten Holzbausätzen.
Im Gartenhaus entscheidet das Raumklima über das Material
Ein Gartenhaus dient vielen als Hobbyraum, Rückzugsort oder Gästezimmer. Wer darin liest, bastelt oder übernachtet, merkt schnell, wie stark das Dach das Raumklima bestimmt. Unter großen, klaren Flächen wird es an Sommertagen sehr warm. Platten mit Wabenstruktur oder Tönung streuen das Sonnenlicht, mindern Blendung und können die Aufheizung darunter verringern.
Einschalige Wellplatten bieten kaum Wärmedämmung. Soll das Gartenhaus auch im Frühjahr und Herbst genutzt werden, sind Doppelstegplatten eine mögliche Alternative. Ihre Hohlkammern reduzieren den Wärmeverlust und eignen sich besonders für geschlossene Gartenhäuser. Für einen reinen Sommerraum genügt eine getönte Wellplatte.
Genehmigungsfragen richten sich nach der jeweiligen Landesbauordnung. Welche Bauten verfahrensfrei sind, hängt je nach Bundesland unter anderem von der Fläche, dem Rauminhalt und dem Grenzabstand ab.
Wellenprofil und Abmessungen richtig einordnen
Wellplatten werden nach ihrem Profil benannt. Ein S steht für Sinus, also eine gerundete Welle, ein K für Trapez. Die erste Zahl gibt den Abstand zwischen zwei Wellenbergen in Millimetern an, die zweite die Höhe der Welle. Eine Platte im Profil S 76/18 hat demnach runde Wellen im Abstand von 76 Millimetern und 18 Millimeter Wellenhöhe. Größere Profile wie 177/51 tragen nach der Zahl ihrer Wellen auch Bezeichnungen wie Profil 5, 6 oder 8.
Für die Mengenplanung zählt die Deckbreite. Viele Kunststoffplatten werden 1045 Millimeter breit geliefert, durch die seitliche Überlappung fällt die tatsächlich nutzbare Deckbreite jedoch geringer aus. Die benötigte Plattenanzahl ergibt sich aus der Dachbreite geteilt durch die Deckbreite. Das Ergebnis wird auf die nächste ganze Zahl aufgerundet. Weil die Platten bis zu sieben Meter lang sein können, kommen viele Carports mit einer einzigen Reihe ohne Querstoß aus.
Auch lange Kunststoffplatten bleiben leicht. Eine 1,0 Millimeter starke Platte wiegt rund 1,2 Kilogramm je Quadratmeter, eine 3,0 Millimeter starke etwa 3,5 Kilogramm, wobei es auf die Stärke mehr ankommt als auf das Material.
So beeinflussen Neigung und Überdeckung die Dichtheit
Für Kunststoff-Wellplatten nennen Händler und Hersteller in der Regel eine Mindestneigung von 5 Grad, das entspricht rund 9 Zentimetern Höhenunterschied je Meter. Für Bitumenplatten gelten eigene Vorgaben, die in der jeweiligen Verlegeanleitung stehen. Je flacher ein Dach ausgeführt wird, desto genauer müssen Überdeckungen und Wasserführung stimmen.
Seitlich überdecken sich die Platten üblicherweise um eine Welle, verlegt wird entgegen der Wetterseite. In regenreichen oder feuchten Lagen empfiehlt sich eine Überdeckung um zwei Wellen, da Wasser sonst durch Kapillarwirkung unter die Überlappung gelangen kann. Treffen zwei Platten in Gefällerichtung aufeinander, sind 20 Zentimeter Überdeckung üblich, bei mehr als 15 Grad Neigung reichen oft 15 Zentimeter. Kunststoff dehnt sich bei Wärme aus, als Faustwert gelten rund 5 Millimeter Bewegungsraum je Meter Plattenlänge.
Das Wasser läuft an der Traufe in eine Rinne, die es zum Fallrohr leitet. Für das Gefälle einer Dachrinne gelten drei bis fünf Millimeter je Meter Rinnenlänge als Richtwert, an einem fünf Meter langen Carport also 15 bis 25 Millimeter zwischen höchstem und tiefstem Punkt.
Schneelast und Plattenmaterial bei der Unterkonstruktion berücksichtigen
Die Platten liegen auf Querlatten oder Pfetten, die quer zur Gefällerichtung verlaufen. Als Orientierung für den Abstand gelten bei Polycarbonat und Acrylglas etwa 80 Zentimeter, bei PVC rund 50 Zentimeter. In schneereichen oder windigen Lagen rücken die Auflager enger zusammen. Die erforderliche Tragfähigkeit des Dachs richtet sich nach der Schneelastzone gemäß DIN EN 1991-1-3 und der Höhenlage des Standorts. In Deutschland reicht die Einteilung von Schneelastzone 1 mit vergleichsweise geringen bis Zone 3 mit hohen Schneelasten. Ergänzend gibt es die Zonen 1a, 2 und 2a. Auch die Windzone ist bei der Planung zu berücksichtigen. Besonders bei offenen Carports kann Wind unter das Dach greifen und zusätzliche Kräfte auf die Konstruktion ausüben.
Für einen freistehenden Carport mit großer Spannweite oder einen Standort in höherer Lage ist ein statischer Nachweis sinnvoll. Die Kosten für einen Statiker richten sich nach Honorarzone und Leistungsumfang, für kleinere Aufgaben bewegen sie sich oft im drei- bis niedrigen vierstelligen Bereich. Dunkle Holz- oder Metallprofile unter klaren Platten sollten an den Auflageflächen hell gestrichen oder mit Aluminiumband abgeklebt werden, weil sie sich in der Sonne stark erhitzen und den Kunststoff belasten.
Bei der Montage von Kunststoffplatten kommt es auf die Reihenfolge an
Bei Kunststoff-Wellplatten läuft die Montage meist in diesen Schritten ab:
- Dunkle Auflageflächen hell abdecken und die Unterkonstruktion auf Maßhaltigkeit prüfen.
- Die erste Platte an der Traufe ausrichten und die Verlegung entgegen der Hauptwetterrichtung fortsetzen.
- Bohrlöcher mit einem Kegel- oder Stufenbohrer vorbohren, um ausreichend Spiel für die Wärmeausdehnung zu lassen.
- Die Platten auf dem Wellenberg befestigen, beispielsweise mit Edelstahlschrauben und Dichtscheiben oder Sechskantschrauben mit EPDM-Dichtungen.
- Vorgesehene Abstandhalter einsetzen, damit die Wellen beim Verschrauben nicht eingedrückt werden.
- First, Ortgang und Wandanschlüsse mit geeigneten Formteilen abdichten.
Schraubenabstände und Bohrdurchmesser legt die Verlegeanleitung des jeweiligen Herstellers fest. Zugeschnitten werden Kunststoffplatten am besten mit einer hochtourigen Hand- oder Tischkreissäge und feinverzahntem Blatt, wobei die Platte fest und ohne Flattern aufliegen muss. Ein Probeschnitt an einem Reststück zeigt vorher, ob die Kante sauber bleibt. Bis zur Montage lagern die Platten am besten plan, trocken und belüftet, unter einer hellen Abdeckung statt in praller Sonne, weil sich Kunststoff unter einer aufgeheizten Folie verformen oder verfärben kann.
Auf Wellplatten darf niemand direkt stehen
Auch bei robust wirkenden Wellplatten besteht auf Nebengebäuden keine ausreichende Durchtrittsicherheit. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft warnt in ihrem Baustein zur Dachdeckung mit Wellplatten, dass solche Platten beim Begehen durchbrechen können. Für gewerbliche Arbeiten verlangt sie besondere Lauf- und Arbeitsstege, die mindestens 50 Zentimeter breit und gegen Verschieben und Abrutschen gesichert sind.
Auch wer privat am eigenen Carport oder Schuppen arbeitet, legt tragfähige Bohlen über die tragenden Hölzer und belastet nur diese, an steilen Dächern sorgen ein Gerüst oder eine fest gesicherte Leiter für Halt. Viele Arbeiten lassen sich ohnehin vom Boden oder von der Leiter aus erledigen, etwa das Reinigen der Platten. Für die Reinigung eignen sich Wasser, milde Seifenlauge und ein weicher Schwamm am Teleskopstiel. Scheuermittel sollten vermieden werden, da sie die Oberfläche zerkratzen können. Schnee lässt sich ebenso von einem flachen Carportdach mit einem langen Schieber vom Boden aus abziehen, statt auf die Platten zu steigen.
Fazit: Die Nutzung bestimmt die Platte
Für Carports eignet sich Polycarbonat, da es hagelbeständig ist. Getönte oder strukturierte Platten können zudem die Sonneneinstrahlung reduzieren und verhindern, dass sich der Bereich darunter zu stark aufheizt. Im Geräteschuppen genügen blickdichte Bitumenplatten oder lichtundurchlässiger Kunststoff, beim Gartenhaus stehen Raumklima und Dämmung im Vordergrund.
Unabhängig vom Bau entscheiden Mindestneigung, Überdeckung, Lattenabstand und eine Verschraubung mit Spiel über die Haltbarkeit. Betreten werden Wellplatten in jedem Fall nur über Bohlen oder Laufstege!
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